Heute möchte ich Götz Werner sinngemäß aus einer Rede aus dem Jahr 2010 zitieren:
Ein Einkommen ist nicht die Vergütung für geleistete Arbeit, sondern die Voraussetzung, dass jemand die Arbeit überhaupt ausüben kann.
In dieser Sichtweise stecken nun zwei Inhalte:
Erstens bedeutet es, dass ein (Arbeits-)Einkommen in unserer Gesellschaft Voraussetzung dafür ist, dass jemand seine Bedürfnisse decken kann. Dass heißt, er muss etwas tun, für das jemand anders bereit ist, dafür zu bezahlen. Voraussetzung dafür, dass jemand das ausüben kann, was er will, ist, dass genügend andere die Leistung in Anspruch nehmen wollen. Die Bezahlung in Geld dafür ist die Umrechnung für den Wert, den diese für andere hat. Oder kurz: Tätigkeiten, die für die Gesellschaft notwendig sind, werden idealerweise auch bezahlt.
Das bedeutet zweitens, dass es auch jemanden geben muss, der dafür bezahlen kann! Dies ist aber nicht immer der Fall. 925 Millionen Menschen, die Stand 2010 hungern, wären bereit dazu, alles was sie haben allein für Nahrung zu bezahlen. Es ist nun nicht so, dass diesen Menschen niemand helfen will – all die Spendengalas mit hohen Einschaltquoten bekunden die prinzipielle Hilfsbereitschaft – , sondern dass es nur schwer möglich ist, diesen zu helfen! Weil der Begriff Armut sagt bereits, dass jemand, der arm ist, kaum oder gar nicht für andere bezahlen kann. Wer also Lebensmittel verteilt, der tut zwar gutes, kann aber davon schlicht seinen eigenen Lebensunterhalt nicht bestreiten.
Was würde nun passieren, wenn all die Armen plötzlich ein Grundeinkommen beziehen könnten – Es würden sich tausende Firmen und und Millionen Menschen finden, die Lebensmittel professionell in alle Welt verteilen, weil es einen Markt dafür gibt. Ein Grundeinkommen schafft Hunger ab, weil ermöglicht, dass diejenigen, die den Armen helfen wollen, auch die Ressourcen dazu bekommen.
Wenn man dies politisch umsetzen will, muss die ganze Welt mitspielen. Über eine eigene Währung aber, die ein Grundeinkommen bereits enthält, funktioniert dies im kleinsten Maßstab genause wie global: Jeder hat einen Geldbetrag in dieser Währung zur Verfügung und jeder, der gegen Bazahlung in dieser Komplementärwährung arbeitet, der wird dafür vergütet.
Dies ermöglicht, dass die Versorgung der Ärmsten endlich arbeitsteilig ablaufen kann und zwar so, wie wir es aus unserer Wirtschaft gewohnt sind. Eine ehrenamtliche Suppenküche, die Suppe gegen Webtaler ausgibt ist dann nicht ausschließlich auf Spenden angewiesen, nein, sie kann tatsächlich einen Gegenwert in Form von Talern an die Köche und diejenigen, die Kartoffeln usw. bereitstellen bieten.
Dieser Gegenwert ist eine Art der gesellschaftlichen Anerkennung für geleistete Arbeit und ist – um zum Eingangszitat zurückzukehren – Voraussetzung, dass diese Arbeit auch gemacht werden kann und auch wird.
Gründen wir mit dem Webtaler eine solche Suppenküche, denn sie ist Beispiel, wie das Grundeinkommen in einfachster Form wirklich wirkt!